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Das Gleichnis vom Geigenholz und dem Beilstiel

Am Rand eines Waldes lebte ein alter Handwerker, der sein Leben lang Holz in Formen brachte, die den Atem der Welt trugen. Eines Tages trat ein junger Baumgeist zu ihm und fragte, warum aus ihm kein Klang geworden sei wie aus dem Ahorn, aus dem der Handwerker einst eine Geige gebaut hatte. Er habe gehofft, Musik zu werden, sagte der Geist, etwas Kostbares, etwas, das die Welt hören könne. Der Handwerker lächelte und erzählte ihm, dass er selbst zu fest, zu unnachgiebig, zu stark gewachsen sei, um Klang zu tragen.

Nicht für den Ton sei er gemacht, sondern für den Griff; aus ihm sei der Stiel des Beiles geworden.

Der junge Geist senkte den Blick, als habe er in sich selbst einen Mangel entdeckt.

Doch der Alte sprach weiter und erzählte ihm, dass ohne jenen Beilstiel die feinen Hölzer der Welt gar nicht erst zum Vorschein kämen. Ohne diese Stärke, ohne die Fähigkeit, zu halten, zu führen und auszuhalten, gäbe es kein Instrument, keinen Ton, kein Lied und kein Leben im Klang. Erst da begann der Baumgeist zu verstehen, dass nicht jeder zur Musik wird, und dass Wert nicht immer durch Klang entsteht. Das Grobe, das Unscheinbare, trägt oft das Feine, und nur wenn beide zusammenwirken, entsteht Harmonie.

In dieser Einsicht erkannte er, dass auch er Teil des Liedes der Welt war – nicht als Ton, sondern als die Kraft, die ihn ermöglicht.