Die Vorsilbe er- wirkt im Deutschen
Die Vorsilbe er- wirkt im Deutschen oft wie ein stiller Wegweiser. Sie
zeigt uns den Weg von innen nach außen, vom Wunsch zur Verwirklichung,
von der Möglichkeit zur Erfahrung. In der Tiefe ihrer Bedeutung liegt
etwas Göttliches: Ein göttlicher Hauch, der sich durch unser Leben
bewegt – in jedem Er-leben, Er-fühlen, Er-kennen. Dieses Werk ist eine
Sammlung solcher innerer Bewegungen, gelesen wie Gebete oder Mantras
des Alltags.
Im Anfang war das Er- Er-fahren – Gott fährt, durch Räume der Zeit,
auf Wegen, die wir Leben nennen. Er-leben – Gott lebt, in jeder Zelle,
in jedem Augenblick – ein göttliches Pulsieren. Er-wünschen – Gott
wünscht, mit sehnsuchtsvoller Hand in unsere Herzen gezeichnet. Er-
lassen – Gott erlässt, uns Schuld und Schwere, mit dem Hauch von
Verzeihung.
Er-holen – Gott holt, uns heim, in den Schoß des Jetzt. Er-innern –
Gott erinnert, wer wir waren, bevor das Vergessen begann. Er-kennen –
Gott kennt, uns durch und durch, und wartet lächelnd, bis wir ihn
erkennen. Er-fühlen – Gott fühlt, als wir, wenn Tränen fließen und
Freude flimmert.
Er-tragen – Gott trägt, das Leid, das wir glauben allein zu halten.
Er-klären – Gott klärt, den Nebel, wenn Worte auf Wahrheit treffen.
Er-bauen – Gott baut, mit unseren Händen, Tempel aus Liebe und Licht.
Und immer wieder: Er- Er – nicht der Mann, nicht die Gestalt – sondern
das Werden, das Wirken, das göttliche Tun in allem.
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