Über die Krankheit der Systemimmanenz
Die Welt leidet nicht an Bosheit, sondern an Systemimmanenz.
Alles bewegt sich innerhalb geschlossener Ordnungen, die sich selbst
genügen. Wirtschaft, Politik, Religion, Wissenschaft – sie alle drehen
sich im Kreis ihrer eigenen Logik. Jedes System schützt sich, indem es
nur das anerkennt, was in seine Sprache passt.
Doch das Wirkliche spricht keine Sprache.
Das Leben, das Ganze, das Absolute – es entzieht sich jeder
Systemlogik. Und doch versuchen die Systeme, es zu fassen, zu messen,
zu benennen. So wird das Unbegrenzte in Begriffe gezwungen, das
Lebendige in Strukturen erstickt.
Der Mensch ist nicht ausgenommen.
Auch er lebt in einem psychischen System, das er „Ich“ nennt. Dieses
Ich denkt in Gewohnheiten, Mustern, Erinnerungen. Es dreht sich um
sich selbst und nennt das „Identität“.
Doch wer das Ich durchschaut, erkennt: es ist nur ein kleiner Wirbel
im unbegrenzten Meer des Seins.
Systemimmanenz ist die Krankheit, Bewusstwerdung die Heilung.
Nicht durch Kampf, nicht durch Reform, sondern durch Einsicht.
Denn sobald ein System durchschaut wird, verliert es seine Macht, das
Ganze zu verdecken. Dann wird die Welt transparent — nicht anders,
sondern wahrer.
Das Ziel ist nicht Systemlosigkeit, sondern Durchlässigkeit.
Systeme dürfen bestehen, doch sie sollen Werkzeuge sein, keine Götzen.
Wenn das Bewusstsein sich seiner selbst bewusst wird, verwandelt sich
auch die Struktur. Dann entsteht eine neue Kultur — nicht mehr von
Systemen beherrscht, sondern vom Geist durchleuchtet.
Bewusstseinskultur ist das Ende der Systemimmanenz.
Sie ist kein neues Dogma, sondern das stille Erkennen, dass das Ganze
schon da ist.
Nur der Blick muss sich weiten.
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