Von den Schlafenden im Reich Gottes
Es heißt, jenseits aller Formen, jenseits selbst des Bewusstseins,
existiere ein Reich, das nicht mehr Welt ist – und nicht mehr Idee –,
sondern reine Gegenwart Gottes. Nicht als Person, nicht als Bild,
sondern als lebendiger Grund allen Seins. In diesem höchsten Raum, der
weder Anfang noch Ende kennt, verweilen Wesen, die man translogisch
nennen könnte – weil sie jenseits der Logik stehen, jenseits des
Denkbaren, jenseits der Trennung. Sie sind keine Götter im
herkömmlichen Sinn, und doch begegnet man ihnen in vielen Namen:
Krishna, Buddha, Allah, Jehova, und selbst die alten Götter der Mythen
– sie alle sind wie Masken eines tieferen Prinzips, das sich der Welt
entzogen hat, um sie aus größerer Nähe zu berühren.
Diese Wesen schlafen.
Doch ihr Schlaf ist nicht Abwesenheit. Er ist Präsenz in ihrer
reinsten Form. Während sie ruhen, wirken sie – aber nicht so, wie wir
Wirken verstehen. Ihr Dasein selbst ist schöpferisch.
Es braucht kein Tun. Ihr bloßes Sein durchdringt die Schichten des
Universums, wie das Licht durch das Wasser fällt, ohne es zu stören.
Nur selten wachen sie auf. Und wenn sie es tun, dann nicht, um in die
Welt zurückzukehren, sondern um im Reich Gottes zu träumen.
Ihr Traum ist kein Traum wie der unsere. Es ist ein schöpferisches
Schauen, ein inneres Spiel reiner Formen, in dem das Sein sich selbst
erkennt. Vielleicht ist es dieser Traum, aus dem das Heilige in unsere
Welt fällt – leise, unscheinbar, durch ein Symbol, ein Wort, eine
innere Regung. Manche Toten tragen Spuren davon.
Sie dienen als Durchgänge, als Boten.
Doch der wahre Gott bleibt unberührt. Was sich zeigt, ist nicht die
Quelle selbst, sondern eine Resonanz. Eine Berührung, nicht das Wesen.
Denn das Wesen bleibt entkoppelt – aus Gnade, nicht aus Entfernung. So
leben diese Schlafenden – außerhalb der Welt, aber in ihr wirksam.
Ihre Stille ist keine Leere, sondern Fülle ohne Form. Und wer tief
genug lauscht, spürt vielleicht manchmal ihr Atmen.
Nicht in Donner oder Vision, sondern in jenem zarten Moment, wenn
alles still wird – und das Unsagbare für einen Augenblick durchs Herz
weht.
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